Geplantes Aus für Tarifanerkennung bedroht Versorgung zuhause
Die vollständige Refinanzierung von Tariferhöhungen in der häuslichen Krankenpflege und Haushaltshilfe soll wegfallen. Betroffen wären ausgerechnet die Dienste, die ihre Mitarbeitenden fair und verlässlich nach Tarif bezahlen. Der Diözesan-Caritasverband Freiburg, der sich seit Jahren für eine auskömmliche und leistungsgerechte Finanzierung der ambulanten Pflegedienste stark macht, unterstützt die Kritik des VKAD.
Mit dem Gesetzentwurf geraten ambulante Pflegedienste unter Druck, die täglich dafür sorgen, dass pflegebedürftige Menschen in ihrer Wohnung bleiben können. Sie übernehmen Verbandswechsel, Medikamentengaben und weitere medizinische Behandlungspflege. Sie verhindern Krankenhauseinweisungen und entlasten damit das Gesundheitssystem, schreibt der VKAD in einer Pressemitteilung.
Fällt die volle Refinanzierung von Tariferhöhungen weg, geraten ausgerechnet tarifgebundene Einrichtungen ins Hintertreffen, die faire Löhne zahlen. Das sendet ein falsches Signal an eine Branche, die dringend Fachkräfte braucht.
Mehr als 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen werden zuhause versorgt. Viele benötigen Leistungen wie Wundversorgung, Injektionen oder Infusionen, die Angehörige oft nicht übernehmen können. Trotz dieser zentralen Aufgabe lag der Anteil der Ausgaben der GKV für die häusliche Krankenpflege im Jahr 2024 bei lediglich 3,39 Prozent.
Barbara Dietrich-Schleicher, Vorsitzende des VKAD, sagt: "Ob die erwarteten Einsparungen tatsächlich eintreten, ist offen. Niemand kennt heute die Tarifabschlüsse der kommenden Jahre." Und sie ergänzt: "Tarifgebundene Pflegedienste haben jahrelang dafür gekämpft, dass Tarifsteigerungen anerkannt werden. Diese Grundlage jetzt wieder zu entziehen, ist nicht nachvollziehbar. Wer Tariflohn in der häuslichen Pflege will, muss auch die Refinanzierung sichern. Sonst steigt der Druck auf die Dienste, die Belastung für die Beschäftigten nimmt zu und am Ende leiden die Menschen, die auf diese Versorgung zuhause angewiesen sind."
Der VKAD sieht darin auch einen politischen Widerspruch. Tarifbindung soll an anderer Stelle gestärkt werden. In der häuslichen Pflege werden gleichzeitig die finanziellen Voraussetzungen dafür geschwächt.
Der VKAD fordert, die Tarifrefinanzierung in der häuslichen Krankenpflege und Haushaltshilfe im weiteren Gesetzgebungsverfahren beizubehalten. Wer stabile Kassen will, darf nicht ausgerechnet einen Bereich schwächen, der Versorgung sichert und teurere Behandlungen oft vermeidet.