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Stand: 18.11.2016

Pressemitteilung

„Chancengleichheit ist elementar für Zusammenhalt der Gesellschaft“

 Stuttgart, 8. Februar. Heimat - mit diesem Begriff verbinden wir einen Ort, an dem wir uns wohl und geborgen fühlen. Heimat ist aber nicht nur ein Ort oder ein Land. Heimat entsteht im sozialen Miteinander. Wie wertvoll Heimat ist, spürt man besonders dann, wann man sie verloren hat. Angesichts von knapp einer Million Geflüchteten, die in den vergangenen zwei Jahren nach Deutschland gekommen sind, stellt sich die Caritas in Baden-Württemberg unter dem Motto "Zusammen sind wir Heimat" die Frage, wie das Zusammenleben von Einheimischen und Zuwanderern gelingen kann. Beim Caritas-Jahresauftakt im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart regte der katholische Wohlfahrtsverband an, ein Zusammenleben in Vielfalt einzuüben und den Begriff "Heimat" gerade auch im Jahr der Bundestagswahl nicht rechten Gruppierungen und deren Ruf nach Abgrenzung zu überlassen. Heimat - so das Fazit - bewahrt man nicht, indem man Mauern baut und Grenzen zieht. Heimat gehört einem nicht einfach, nur weil man in einem Land geboren wurde. Heimat entsteht vielmehr dort, wo sie geteilt wird.

"‚Zusammen sind wir Heimat‘ - Dieser Satz ist uns tiefe Überzeugung, Herausforderung und Vision zugleich. Denn wir sind uns mehr als bewusst: eine so verstandene ‚Heimat‘ fällt uns nicht als reife Frucht in den Schoß. Sie will erarbeitet, errungen, gestaltet sein", sagte Caritasdirektor Pfarrer Oliver Merkelbach (Stuttgart) vor rund 200 Gästen aus Politik, Medien, Kirche und Wissenschaft. Auch bei uns töne es laut von ‚Obergrenzen‘ oder gar ‚Grenzen dicht‘. "Daher ist das Gebot der Stunde, diese Sorgen und Ängste aufmerksam zu hören, wahrzunehmen, woraus sie sich speisen und sich mit aller Ernsthaftigkeit, Sachlichkeit und Klarheit mit ihnen auseinandersetzen."

"Ich vermag nicht zu sagen, wohin uns diese neue weltpolitische Situation führen wird. Wovon ich aber überzeugt bin: Vielfalt und Chancengleichheit sind elementar für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft", sagte Muhterem Aras, Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, in ihrem Gastvortrag. Sie verstehe die Sehnsucht nach dem Einfachen, dem Überschaubaren und leicht Verstehbaren. "Ich bin aber davon überzeugt, dahin können wir nicht mehr zurück. Wir müssen lernen, mit der neuen Komplexität zu leben und gemeinsam das Beste daraus zu machen." Laut Aras müssen wir wieder Werte in den Mittelpunkt rücken und eine Rückbesinnung darauf leisten, um die Zukunft zu gestalten und neuen Halt zu schaffen.

Caritasdirektor Monsignore Bernhard Appel (Freiburg) nannte es die größte gesellschaftliche Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg, Menschen zu unterstützen, die zu uns kommen, damit sie hier eine neue Heimat finden. Der Caritas gehe es vor allem darum, die derzeit auch wegen vieler Ängste etwas abflauende Willkommenskultur weiter zu unterstützen. "Wir sehen unsere Aufgabe darin, auf diese Ängste und Sorgen einzugehen und sie abzubauen. Also müssen wir Kontakte herstellen, denn wenn die Menschen sich von Angesicht zu Angesicht kennenlernen, dann schwinden Ängste", sagte Appel. Es gelte, "die verfassungsrechtlichen Werte wie Achtung der Menschenwürde, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Religionsfreiheit mit aller Kraft zu verteidigen - gegen alle Gruppierungen, die sie in Frage stellen".

Caritas-Journalistenpreis würdigt herausragende publizistische Leistungen

Sie halten den Sinn für die sozialen Anliegen in unserer Gesellschaft wach - dafür wurden vier Journalistinnen mit dem 28. Caritas-Journalistenpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet. Den mit 3.000 Euro dotierten ersten Preis des Wettbewerbs erhielt Sarah Modrow, Leiterin der Web-TV-Redaktion der Diözese Rottenburg-Stuttgart, für ihr Video-Porträt einer querschnittsgelähmten Frau, die seit 20 Jahren im Rollstuhl sitzt. Unspektakulär und ohne Mitleid zu erzeugen erzählt der Film die Geschichte und schildert den starken Lebenswillen dieser jungen Frau. Trotz Behinderung sieht sie ihre Aufgabe darin, sich für die Gesellschaft zu engagieren. "Es gibt immer einen Weg" ist so ein starkes Plädoyer für den Wert und die Würde des Lebens trotz massiver Einschränkungen und Handicaps.

Der zweite Preis mit einem Preisgeld von 1.500 Euro ging an Andrea Beer für ihr im SWR gesendetes Hörfunk-Feature "Mascha und Werner. Zwei Leben - zwei Zeiten". Das Radio-Stück erzählt über das Leben von zwei Menschen mit Behinderung gestern und heute, deren Leben nicht unterschiedlicher verlaufen könnte. Werner lebt seit 80 Jahren in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung auf der Schwäbischen Alb und entkam nur knapp der sogenannten "Euthanasie" im "Dritten Reich". Mascha, die mit ihrer Familie aus Kasachstan kam, ist gerade 33 geworden und erwartet ein Kind.

Ebenfalls mit einem zweiten Preis ausgezeichnet wurde Elisabeth Hussendörfer für ihre in der Zeitschrift Brigitte woman erschienene Reportage "Mein neuer Mitbewohner". Eine 70-Jährige aus dem badischen Denzlingen, die alleine eine Doppelhaushälfte bewohnt, nimmt einen 26-jährigen Asylbewerber bei sich auf. Die Geschichte dieser ungewöhnlichen WG wirbt sehr sympathisch für Bürgerengagement und Sozialcourage. Ein herausragendes Plädoyer für die Selbstverständlichkeit, mit der jede(r) in außergewöhnlichen Situationen dort helfen kann, wo Hilfe nötig und möglich ist.

Mit einer "Lobenden Erwähnung" wurde Assata Frauhammer für die sechsseitige Stuttgarter Kinderzeitung zum Thema "Armut" ausgezeichnet. Armut in Deutschland? Darüber für junge Leser zu schreiben, ist die Autorin in besonderer Weise gerecht geworden. Erfrischend in der Darstellung wird das brennende Thema "Leben mit wenig Geld" auf die Lebenswirklichkeit von Kindern heruntergebrochen. Der Beitrag macht deutlich, dass eine (Kinder)Zeitung nicht nur Unterhaltungswert haben sollte, sondern ebenso einen Bildungsauftrag wahrnimmt. - Der unabhängigen Jury lagen 95 Beiträge vor, die in Presse, Hörfunk, Fernsehen und Online erschienen sind.

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