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Stand: 18.11.2016

Pressemitteilung

Arbeit ist der Schlüssel für erfolgreiche Integration von Geflüchteten

Freiburg/Stuttgart, 24. August - Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahlen sind so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Nicht alle profitieren allerdings von der guten Beschäftigungslage. Außen vor bei dieser Entwicklung bleiben sowohl die Langzeitarbeitslosen als auch immer mehr geflüchtete Menschen. Darauf macht die Caritas Baden-Württemberg nachdrücklich aufmerksam. Rund 500.000 anerkannte und erwerbsfähige Geflüchtete - doppelt so viele wie vor einem Jahr - suchen derzeit Arbeit über die Agenturen und Jobcenter. Sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind aktuell 150.000 Geflüchtete, 54.000 arbeiten in so genannten Minijobs. "Hier muss die Politik Weichen stellen, damit geflüchtete Menschen schneller in eine Beschäftigung gebracht werden können", erklären die beiden Caritas-Vorstände Mathea Schneider (Freiburg) und Dr. Annette Holuscha-Uhlenbrock (Stuttgart). Im Vorfeld der Bundestagswahl mahnen sie politische Reformen an, damit eine Integration in den Arbeitsmarkt für alle gelingt. Denn "Arbeit ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration von Geflüchteten", so die beiden Caritas-Vorstände. Es müsse verhindert werden, dass aus geflüchteten Menschen, die in Deutschland eine Bleibeperspektive haben, die Langzeitarbeitslosen von morgen werden.

Die rasche Vermittlung von Geflüchteten in eine Anstellung scheitert oft am "Behördendschungel" mit seinen komplizierten bürokratischen Strukturen in der Arbeitsverwaltung und im Bildungssystem, die unterschiedlichen Rechtskreisen zugeordnet sind. Dazu kommen geringe oder mangelhafte Sprachkenntnisse sowie fehlende formale Berufsabschlüsse, die oftmals die schnelle Integration von geflüchteten Menschen in Beschäftigung erschweren. Die Caritas Baden-Württemberg fordert deshalb eine Integrationsbegleitung aus einer Hand und mehr Zeit. "Die Geflüchteten müssen frühzeitig und einheitlich in einer Zuständigkeit betreut werden, damit sie im derzeitigen komplizierten System nicht den Überblick verlieren", betonen Holuscha-Uhlenbrock und Schneider. Und: Kurzfristige Maßnahmen seien ungeeignet, um eine berufliche Perspektive aufzutun. "Berufliche Integration braucht eine längerfristige Begleitstruktur." Die vergleichsweise geringen Beschäftigungsquoten zeigen laut Caritas, dass die Integration in den Arbeitsmarkt einen langen Atem braucht: Erfahrungen aus der Vergangenheit führen zur Prognose, dass nach fünf Jahren lediglich die Hälfte in Erwerbsarbeit ist.

Damit auch geflüchtete Menschen, die keine oder eine geringe Qualifikation haben, eine Chance zur beruflichen und sozialen Teilhabe in der Gesellschaft erhalten, braucht es aus Sicht der Caritas einen sozialen, öffentlich geförderten Arbeitsmarkt. Um einen solchen aufzubauen, ist nach Auffassung des katholischen Wohlfahrtsverbandes ein verlässliches und transparentes Bundesprogramm "Arbeitsmarktintegration" erforderlich. Auch der Zugang zu einer Berufsausbildung müsse für Geflüchtete verbessert werden, zum Beispiel in dem die Förderung durch die Bundesagentur geändert werde und Ausbildungsgänge modular angelegt würden. Gesetzlich klarer geregelt gehört für die Caritas zudem das Recht auf Ausbildungsduldung. In Baden-Württemberg werde dieses Recht von den Ausländerbehörden sehr unterschiedlich angewendet. Hier müsse die Landesregierung für eine einheitliche Regelung sorgen, damit Ausbildungsbetriebe und geflüchtete Menschen mehr Sicherheit bekommen.

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