Mit der neuen Komplexität zu leben lernen

Angesichts von knapp einer Million Geflüchteten, die in den vergangenen zwei Jahren nach Deutschland gekommen sind, regten die beiden Diözesan-Caritasverbände Freiburg und Rottenburg-Stuttgart bei ihrem Jahresauftakt im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart an, ein Zusammenleben in Vielfalt einzuüben und den Begriff "Heimat" gerade auch im Jahr der Bundestagswahl nicht rechten Gruppierungen und deren Ruf nach Abgrenzung zu überlassen.

Jahresauftakt

Muhterem Aras, die Präsidentin des Landestags von Baden-Württemberg, sagte in ihrem Gastvortrag: "Ich vermag nicht zu sagen, wohin uns diese neue weltpolitische Situation führen wird. Wovon ich aber überzeugt bin: Vielfalt und Chancengleichheit sind elementar für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft". Sie verstehe die Sehnsucht nach dem Einfachen, dem Überschaubaren und leicht Verstehbaren. "Ich bin aber davon überzeugt, dahin können wir nicht mehr zurück. Wir müssen lernen, mit der neuen Komplexität zu leben und gemeinsam das Beste daraus zu machen." Laut Aras müssen wir wieder Werte in den Mittelpunkt rücken und eine Rückbesinnung darauf leisten, um die Zukunft zu gestalten und neuen Halt zu schaffen.

"‚Zusammen sind wir Heimat‘ - Dieser Satz ist uns tiefe Überzeugung, Herausforderung und Vision zugleich. Denn wir sind uns mehr als bewusst: eine so verstandene ‚Heimat‘ fällt uns nicht als reife Frucht in den Schoß. Sie will erarbeitet, errungen, gestaltet sein", sagte der Stuttgarter Diözesan-Caritasdirektor Oliver Merkelbach vor rund 200 Gästen aus Politik, Medien, Kirche und Wissenschaft.

Der Freiburger Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Appel nannte es die größte gesellschaftliche Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg, Menschen zu unterstützen, die zu uns kommen, damit sie hier eine neue Heimat finden. Der Caritas gehe es vor allem darum, die derzeit auch wegen vieler Ängste etwas abflauende Willkommenskultur weiter zu unterstützen. Es gelte, "die verfassungsrechtlichen Werte wie Achtung der Menschenwürde, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Religionsfreiheit mit aller Kraft zu verteidigen - gegen alle Gruppierungen, die sie in Frage stellen".