Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg e.V. - Tagung Fachkräftegewinnung

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Personalgewinnung

Zufriedene Mitarbeiter sind die besten Werbeträger

Diakonie und Caritas veranstalteten gemeinsame Tagung zum brennenden Thema "Fachkräftemangel"

Arbeit ist genügend da. Woran es hapert, und das inwzischen massiv, ist am Personal. Ob in Kitas, in Altenpflegeheimen oder in Sozialstationen: Es fehlen die Erzieher/-innen genauso wie die Altenpfleger oder die Krankenschwestern. Nicht nur Handwerk und Industrie leiden unter dem viel zitierten Fachkräftemangel, auch in der sozialen Branche klemmt's.

Die Frage, wie man im Wettbewerb um beruflichen Nachwuchs und Fachpersonal sich im Vergleich zur Konkurrenz am Arbeitsmarkt am besten "aufstellt", beschäftigt auch die beiden kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie. Seit längerem schon wird dieses Thema in den Leitungszirkeln und bei den Personalverantwortlichen diskutiert und nach Konzepten und Strategien gesucht. Den "Stein der Weisen" zu finden, ist allerdings mühsam (wenn nicht gar aussichtslos) und erfordert Geduld.  Um dennoch voranzukommen und aktiv zu werden, braucht es praxisrelevante Ideen und Instrumente, die vor Ort ausprobiert und angewandt werden können.

 
tagungsbüro
Reger Andrang beim Tagungsbüro: Das Thema Personalgewinnung stieß auf große Resonanz.
 

Genau dies war die Perspektive einer gemeinsamen Tagung des Diakonischen Werkes Baden und des Diözesan-Caritasverbandes Freiburg. Unter dem Thema "Fachkräfte gewinnen und halten - Herausforderungen und Chancen für Arbeitgeber von Caritas und Diakonie" hatten die beiden kirchlichen Wohlfahrtsverbände in Baden speziell Vorstände und Geschäftsführungen von Kindertagesstätten und Einrichtungen der Altenhilfe in die Katholische Akademie nach Freiburg eingeladen. Mit über 120 Teilnehmenden vorwiegend aus dem südbadischen Raum war die Resonanz erfreulich groß.

jutta rump
Professor Jutta Rump, umtriebige Personalexpertin aus Ludwigshaufen, hielt den Hauptvortrag.

Angesichts der Vielschichtigkeit des Themas konzentrierte sich die Tagung zum einen auf die Berufsfelder der Kitas und der Altenhilfe. Zum anderen ging es nicht primär ums Marketing, um Werbestrategien für die Nachwuchsgewinnung. Im Vordergrund stand vielmehr die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, oder, wie es Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Appel formulierte: "Es geht uns darum, die Arbeitsbedingungen noch stärker an den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auszurichten." Denn zufriedene Mitarbeiter sind die besten Werbeträger für einen Arbeitgeber.

Dass Caritas und Diakonie dabei nicht zwei unter vielen anderen Arbeitgebern in der Sozialwirtschaft sind, sondern beide einen besonderen Anspruch verkörpern, machten zum Auftakt Urte Bejik (Diakonie) und Marc Breuer (Caritas) deutlich. Sie skizzierten die besondere Kultur der beiden kirchlichen Wohlfahrtsverbände als eine Kultur der Wertschätzung, des Vertrauens und der Eigenverantwortung, was als Motivation und Ansporn wirken könne, sich bei einer kirchlichen Einrichtung zu bewerben bzw. dort weiterhin zu arbeiten. Die ausgesprochene  Orientierung am christlichen Evangelium und Menschbild bedeutet allerdings auch, so Bejik und Breuer, dass die Arbeitgeber Caritas und Diakonie sich immer wieder an ihren eigenen Ansprüchen messen lassen müssen.

 
appel im gespräch
Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Appel im Gespräch mit zwei Teilnehmerinnen.
 

Das Thema Glaubwürdigkeit im Reden und Handeln spielte auch bei Professor Jutta Rump von der Hochschule Ludwigshafen eine große Bedeutung. Für sie kommt es vor allem darauf an, dass Arbeitgeber wissen, wie die unterschiedlichen Generationstypen (von der Nachkriegs- über der "Baby Boomer"-Generation und die Generation Golf bis zu den "Multimedias") "ticken", um ihren Erwartungen und Ansprüchen gerecht zu werden. Jüngere Beschäftigte haben, so Rump, andere Vorstellungen davon, was einen "guten" Arbeitsplatz und eine "gute" Arbeitsumgebung ausmacht, als die älteren Kolleginnen und Kollegen. Die Jüngeren legen großen Wert auf interessante Arbeitsinhalte, auf Abwechslung, auf die Anerkennung der eigenen Leistung, auf das Betriebsklima, auf den Erhalt des Wohlbefindens und der eigenen Gesundheit. Und sie suchen Stabilität vor allem in der Familie. Die Mitarbeiter dabei zu unterstützen, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Lebenssituation "in Balance zu bleiben", bezeichnete die Personalexpertin als eines der zentralen Handlungsfelder guter Personalpolitik und -entwicklung.

 
workshop 2
Acht Workshops vermittelten Ideen aus der Praxis für die Praxis.
 

In acht Workshops konnten die Teilnehmenden anschließend konkrete Ideen und Konzepte aus der Praxis für die Praxis kennenlernen. So bietet zum Beispiel das St. Elisabethenkrankenhaus Lörrach seinen Beschäftigten über Belegungsrechte bei kommunalen Kitas Krippen- und Kindergartenplätze an, was zur Attraktivität als familienfreundlicher Dienstgeber beiträgt. Der Caritasverband Freiburg-Stadt wiederum betreibt eine systematische Förderung von Führungskräftenachwuchs, indem er unter den Mitarbeitenden geeignete Personen gezielt anspricht und sie für künftige Leitungsaufgaben qualifiziert. Damit eröffnet er seinen Mitarbeitenden Entwicklungsmöglichkeiten und fördert die Motivation. Weitere Workshop-Themen waren unter anderem die innerbetriebliche Gesundheitsvorsorge als strategisches Instrument einer zukunftsfähigen Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung im Bodelschwingh-Heim in Weinheim oder ein gezieltes Personalmarketing über Internet und Social Media, wie es das St. Josefshaus Herten praktiziert.

 
abschlußrunde 1
Positive Rückmeldungen gab es in einer spontanen Abschlussrunde aus dem Kreis der Teilnehmenden.
 

Auch wenn die Veranstaltung keine Patentrezepte liefern konnte (und auch nicht wollte), so nahmen die Teilnehmenden doch viele hilfreiche Anregungen mit nach Hause. Das zeigte eine abschließende Spontanrunde mit vier Vertretern von ihnen. Deren Rückmeldung wiederum war eine Bestätigung für Klaus Tritschler vom Diözesan-Caritasverband und André Stöbener vom Diakonischen Werk aus dem Leitungsteam, mit einer auf den praktischen Nutzwert ausgerichteten Veranstaltung das richtige Format gewählt zu haben. 

Thomas Maier